Rückblick



45. Kirchweihfest der Mariengemeinde Berlin-Zehlendorf –
Wo sich Himmel und Erde berühren
Am 28. Januar 2018 feierte unsere Evangelisch-Lutherische St. Mariengemeinde das 45. Kirchweihfest unserer Marienkirche. Als Gastprediger wirkte der Rektor des Naemi-Wilke-Stifts in Guben, Pfarrer Stefan Süß mit. In seiner Predigt legte er das Magnificat – den Lobgesang der Maria – aus. Hierbei stellte er auch den Aspekt des Dienens – der Diakonie – heraus. In Anlehnung an den im 19. Jahrhundert wirkenden Theologen Wilhelm Löhe verdeutlichte er, dass diakonisches Handeln seinen Quellgrund in der Feier des Heiligen Altarsakraments habe. Der Empfang der heiligen Gaben – Leib und Blut des Herrn – befähigen und beauftragen zur Diakonie.
Nach dem Mittagessen der großen Festgemeinde hielt Rektor Süß einen Vortrag zum Thema: Wo sich Himmel und Erde berühren – Diakonie ist Gottes Dienst am Menschen. Ausgangspunkt seines Referats war Martin Luthers Ausspruch: „Du bist aller Dinge frei bei Gott durch den Glauben, aber bei den Menschen bis du jedermanns Diener durch die Liebe.“ Er zeigte auf, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist und sein Wesen abbilde. Diakonie beginne daher schon bei der Schöpfung. „Er hat dem Wesen des Menschen ein ‚pro-soziales‘ Verhalten mitgegeben, weil es dem Wesen Gottes entspricht“, so Pfarrer Süß. Die soziale Sensibilität sei in der Erschaffung des Menschen bereits implementiert. Eben diese erwerbe der Mensch nicht nur, sondern diese soziale Sensibilität ist für das Menschsein konstitutiv. Das Wesen Gottes spiegle sich als Abbild im Menschen wider. Auch wenn als Folge des Sündenfalls die sozialen, ethischen, ökologischen und ethnischen Konflikte aufbrechen, gehe doch das soziale Empfinden des Menschen zur Hilfe für den anderen nicht verloren. Soziales Handeln ist in der Schöpfung angelegt. „Ebenso grundlegend ist auch, dass im Sündenfall und der damit verbundenen Erlösungsbedürftigkeit des Lebens das Urdatum der Diakonie liegt. Bevor wir überhaupt diakonisch tätig werden können, widerfährt uns Gottes Diakonie. Wir sind Gottes ‚Diakoniefälle‘, wie Süß ausführte. Darum, so der Referent, sind Schöpfung und Erlösung diakonische Taten Gottes, die jeder Aktion des Menschen bzw. der Kirche vorausgehen.
Weiter meint Süß, dass Gottes Diakonie sich als Inkarnation der Barmherzigkeit verstehe. Denn zu Weihnachten wird Gott Mensch und wendet sich der Welt zu. In diesem Kind in der Krippe berühren sich Himmel und Erde. Auch das Geschehen am Karfreitag ist diakonische Tat. Es ist die Hingabe des Gottes Sohnes an seine Welt. Auf dem Hügel von Golgatha berühren sich wieder Himmel und Erde. Die Diakonie der Kirche ist daher keine Dienstleistung, sondern sie leistet Dienst am anderen, der Beistand brauche. Diese Haltung sei das Maß für profilierte Diakonie. Süß stellte hierbei besonders die Geschichte vom barmherzigen Samariter und die Weltgerichtsrede aus Matthäus 25 in den Blickpunkt.
Sodann führte er den Zuhörern vor Augen, dass Jesus sowohl heilte als auch lehrte. Die Verkündigung des  Evangeliums und der Dienst am Nächsten gehören zusammen. Aus dem gottesdienstlichen Geschehen gesegnet und gesandt, sendet der Dreieinige Gott die Seinen in die Welt hinein, um dem Nächsten zu dienen.
Wie dies im Naemi-Wilke-Stift in Guben praktisch geschieht, führte er mit Hilfe eines aufwendig produzierten Films vor. Anschließend sprach der Gemeindepastor der Mariengemeinde, Pfarrer Markus Büttner, dem Rektor seinen Dank aus, nicht nur für den Vortrag, sondern auch für die zahlreiche Unterstützung, die das Stift und der Rektor der Gemeinde in vergangenen drei Jahren gewährte. Als eine der ganz wenigen Gemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche unterhält die Mariengemeinde in Berlin-Zehlendorf einen gemeindeeigenen Kindergarten als diakonische Einrichtung. Wie das Naemi-Wilke-Stift in Guben gehört die Mariengemeinde mit ihrem Kindergarten zum Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. In den vergangenen Jahren hat es im Kindergarten St. Marien umfangreiche Veränderungsprozesse in struktureller, baulicher, inhaltlicher und personeller Hinsicht gegeben, die von Rektor Süß und dem Stift freundlich begleitet werden.
Nach einer regen Aussprache mit Kaffee und Kuchen endete das 45. Kirchweihjubiläum mit einer Vesperandacht in unserer Marienkirche.


Unsere alten Paramente am neuen Ort in Gebrauch
2017 erhielt die Lutherische Kirchenmission der SELK von unserer St. Mariengemeinde Berlin-Zehlendorf Paramente und Velen, die bei uns nicht mehr gebraucht wurden. Mit diesen Gaben konnte nun ein Projekt in Mönchengladbach-Rheydt bedacht werden: Dort hat der SELK-Pastor im Ehrenamt, Studiendekan Winfried Küttner, im Vorjahr – zusammen mit Missionar Toni Lindholm – ein missionarisches Projekt begonnen. Es widmet sich zum einen den dort wohnenden Kirchmitgliedern und möchte zum andern türkischsprachige Menschen erreichen. Gottes Segen für diese Arbeit!